Dienstag, 20. Juni 2017

20.06.2017 Projekte

Bonjour!

Computerprojekt:
Ich moechte euch schonmal auf den aktuellen Stand bringen, was meine Projekte hier betrifft.
Einmal habe ich ja schon im Vorhinein ein kleines Computerprojekt geplant. Die Vorbereitungen dafuer laufen besser als erwartet.Ich konnte uns jetzt den Informatiksaal meiner Schule organisieren. Dort stehen uns in den ersten drei Juliwochen sechs Computer mit Windows und Microsoft Office zur Verfuegung. Der Informatiklehrer versucht jetzt sogar noch Kopfhoerer zu organisieren, damit wir besser arbeiten koennen. Ich werde die Schueler dann in 6er-Gruppen einteilen und mit jeder Gruppe vorraussichtlich drei Tage intensiv arbeiten. So sollten Grundkenntnisse in der Computernutzung danach garantiert sein.
Ich bin auch im Blindenzentrum auf grosses Interesse an meinem Projekt gestossen. Zwei der dort unterrichtenden Lehrer moechten mitmachen, um die Kenntnisse in Zukunft schon an die blinden Grundschueler weiterzugeben. Ich plane zudem, einen sehbehinderten togolesischen Freiwilligen mit einzubeziehen. Er arbeitet seit einem halben Jahr hier im Projekt, hat aber nicht sehr viel zu tun. Wenn ich ihn mit auisbilde, kann er vielleicht im naechsten Schuljahr den blinden Schuelern regelmaessig Informatikunterricht geben.

Tag der offenen Tuer:
Zudem habe ich mit dem Praesidenten unserer jetzt einjaehrigen Organisation SADEA gesprochen. Fuer diese Sommerferien planen die Schueler einen Tag der offenen Tuer, an dem allen Interessierten gezeigtwerden soll, was Blinde alles machen koennen. Sie werden z.B. Braille schreiben und lesen, mit dem Blindenstock laufen, kochen, Fussballspielen, Musikmachen, Kartenspielen und wenn wir das finanzieren koennen Seife herstellen und Stuehle und Koerbe flechten. Auf meinen Vorschlag hin, planen wir jetzt auch, Besuchern die Augen zu verbinden und sie von Blinden herumfuehren zu lassen. Wir hoffen dadurch, ein wenig Sensibilisationsarbeit machen zu koennen und von Autoritaeten und anderen Organisationen mehr Aufmerksamkeit zu erlangen.

Maedchenfussball:
Mein Maedchenfussballteam hat sich leider sehr verkleinert. Die Maedels sind nicht mehr so motiviert wie am Anfang und kommen fast gar nicht mehr zum Training. Das wiederum demotiviert die, die regelmaesig trainieren moechten. Es hat sich aber mittlerweile eine professionelle Maedchenmannschaft in einem anderen Stadtteil gebildet, die sogar die Meisterschaft in Lomé (Hauptstadt) mitgespielt hat.
Zudem plant ein togolesicher Freund von mir ein Umweltprojekt in Verbindung mit Fussball. Er trainiert bereits eine kleine Gruppe Jungs, an der gleichen Schule, an der Djibril und ich die Maedelsmannschaft aufbauen wollen und moechte neben dem Training jeden Samstag Muellsammelaktionen mit den Fussballbegeisterten starten. Damit will er den Jugendlichen ein Gefuehl fuer Umweltschutz geben. Die idee finde ich super und meiner Meinung nach laesst sich das alles super verbinden. Ich habe jetzt schon mit Djibril gesprochen. Wir werden nach Moeglichkeit, eine Auswahl unserer Fussballerinnen, die ein bisschen professioneller Fussball spielen moechten, mit dem bereits bestehenden Maedchenteam trainieren. Die anderen Maedels, denen der Fussball nicht ganz so wichtig ist, werden wir mit in das Umweltprojekt integrieren. An diesem sollen sowieso Maedchen wie Jungs teilnehmen.

Ansonsten fangen Linn und ich heute an, den baldigen Abiturienten Deutsch- und Englisch-Nachhilfe zu geben, da diese bereits im vergangenen Jahr durchgefallen sind. Es bleiben noch drei Wochen bis zu den Pruefungen und wir wollen versuchen, sie so fit wie moeglich dafuer zu machen.

Das zur Arbeit. Was unsere Freizeit betrifft, ist unser jetztiger Aufenthalt so viel entspannter als letztes Jahr. Wir haben endlich Zeit, auch mal in Ruhe ueber den Markt zu schlendern, mit den Schuelern viele neue Lieder zu lernen, Sport zu machen, ab und zu mal in den kleinen Fluessen Abkuehlung zu suchen, Zeit mit Freunden zu verbringen, usw. Uns geht es also wirklich wahnsinnig gut hier und wir sind unglaublich froh, dass wir nochmal fuer knapp drei Monate in Togo sind. Am Samstag haben wir uebrigens unsere erste grosse Auffuehrung mit Feuer-Poi. Das hatte Linn mir im letzten Jahr beigebracht und wir hatten damals schon zur Abschiedsfeier einer Freiwilligen eine kleine Vorfuehrung zum besten gegeben. Jetzt wurden wir gefragt, ob wir beim grossen Tanz- und Trommelfestival am Samstag auch eine kleine Einlage vorfuehren koennen. Da hat unser Duo Nangaviwo (uebersetzt: die kleinen Alten; so werden wir hier mittlerweile von den meisten Freunden genannt) natuerlich nicht Nein gesagt. Bis dahin muessen wir jetzt fleissig trainieren. Ich bin schon gespannt auf Samstag.

Viele liebe Gruesse aus Togo!!!!

Samstag, 3. Juni 2017

03.06.2017 wieder nach Togo :D

Hallo, nach langem melde ich mich doch nochmal hier auf der Seite, auch wenn mein Freiwilligendienst schon wieder Vergangenheit ist. Meine Rückreise nach Togo steht jedoch kurz bevor und ich dachte mir, das könnte den ein oder anderen interessieren. Am Mittwoch fliege ich für drei Monate zurück nach Togo. Die Vorfreude ist natürlich riesig und die Vorbereitungen in vollem Gange :D Ihr fragt euch bestimmt, was ich dort vorhabe... Ich plane, ein Informatikprojekt mit meinen blinden Schülern, mit dem Ziel ihnen den Zugang zu Computern und Internet zu ermöglichen. Desweiteren möchte ich mit meiner Mitfreiwilligen Linn (wir fliegen zusammen zurück), für unsere Organisation vor Ort arbeiten. Wir werden durch Togo reisen und in anderen Städten und Dörfern Gastfamilien suchen. Damit wollen wir erreichen, dass Freiwillige mehr auf das ganze Land verteilt werden und nicht nur in den Großstädten eingesetzt werden. Gebraucht werden sie überall. Das sind unsere "Hauptprojekte", ansonsten werden wir für unsere Schüler da sein, Freunde treffen, noch mehr über die Kultur lernen u.v.m. Das ergibt sich schon alles. Drei Monate sind weniger als man denkt... Au revoir! Bis bald :D

Freitag, 10. März 2017

Hallo zusammen!

Ich möchte euch nur kurz mitteilen, dass ich jetzt einen kleinen Foto-Vortrag vorbereitet habe, den ich am 25.03. um 19:00 in der Ingelheimer Saalkirche (Anbau) präsentieren werde. Alle, die interessiert sind und Zeit und Lust haben sind herzlich eingeladen. Freue mich auf euch! :)

Dienstag, 21. Februar 2017


21-02-2017 Zurück in Deutschland

Halloo! Diesmal grüße ich euch nicht mehr aus Togo, sondern aus Deutschland...
Linn und ich sind am 30.01.2017 in Lomé in den Flieger gestiegen und haben gesund und voller Vorfreude auf Deutschland und Trauer und Heimweh nach Togo den Frankfurter Flughafen erreicht.
Das ist jetzt ziemlich genau drei Wochen her, ihr müsst mich entschuldigen, dass ich nicht schon früher einen Blogeintrag geschrieben habe, um euch wenigstens über meine Rückkehr zu informieren. Ich muss ehrlich zugeben, es war einfach viel los, ich bin noch ziemlich unorganisiert und teilweise sehr unmotiviert. Ich komme aber langsam wieder rein und gewöhne mich an das deutsche organisierte und schnelle Leben.
Ich möchte euch mit diesem Post nur kurz diese Info übermitteln, ein ausführlicher kommt noch, das verspreche ich. Mein letzter Bericht aus Togo ist ja nun auch nicht mehr der aktuellste. Also, ich sag euch dann mal bis bald und für kommendes Wochenende ein dreifachdonnerndes Helau! ;)

Montag, 12. Dezember 2016

10-12-2016

Hallo meine Lieben,

ich habe ein unglaublich schlechtes Gewissen, weil ich euch so lange nicht mehr geschrieben habe. Hier ist einfach sehr viel los und die Arbeit lässt mir keine freie Minute. Dadurch, dass ich gerade krank bin, habe ich mal wieder Zeit, ein Lebenszeichen von mir zu geben. :D
Für meine Schüler gebe ich momentan alles. Ich versuche ihnen, auch gegen den Willen meiner Chefs, ganz viel Material für die Schule in Braille zu setzen. Man muss sich vorstellen, wie schwierig es ist, im Unterricht mitzukommen ohne Bücher, Texte und Aufgaben. Das einzige Buch, dass sie komplett in Braille ausgehändigt bekommen ist Englisch und Deutsch. Vor allem für die Abiturienten reicht das aber nicht aus. Das Schuljahr hat auch sehr spät angefangen und so müssen die Lehrer den Stoff schnell durchnehmen und viele nehmen keine Rücksicht mehr auf die blinden Schüler. Diese kommen beim Mitschreiben nicht mehr mit und ihre Mitschüler haben immer weniger Zeit ihnen den Stoff zu diktieren. Somit bin ich mehr damit beschäftigt, meinen Schülern das Durchgenommene und Aufgaben oder Beispielklausuren zu diktieren als Nachhilfe zu machen. Die Zeit reicht nicht. Unter der Woche arbeiten wir schon immer bis 21:00 und auch am Wochenende bin ich bei meinen Schülern. Vier meiner Schüler müssen beispielsweise auch jedes Wochenende ein Diktat schreiben. Deren Französischlehrer hat mich beauftragt, dies mit ihnen zu machen. Das nimmt schon mit Korrektur ca. zwei Stunden ein. Ich habe auch einen neuen Schüler, der jetzt von der Grundschule im Blindenzentrum zu uns gekommen ist. Er muss noch lernen eigenständig zu lernen, ich muss ihm also täglich Aufgaben und Lernstoff geben, den ich am nächsten Tag kontrolliere. Ich hoffe, ihm so zu zeigen, dass er täglich zu Hause lernen muss, um in der Schule mithalten zu können. In den letzten Wochen waren zudem ständig Schüler von mir krank, um die ich mich kümmern musste. Ich habe leider nach wie vor nicht gelernt, Nein zu sagen und so nehme ich immer wieder neue Aufgaben an und meine To do-Liste wird nie kürzer, sondern vergrößert sich ständig. Ein weiteres Problem ist die Arbeit mit den Schülern von der anderen Schule. Diese haben teilweise schon mehrmals eine Klasse wiederholt, sechs Schüler sind letztes Jahr beim Abitur durchgefallen und das Problem ist, dass sie sich schon seit ein paar Jahren aufgegeben haben und nicht mehr motiviert sind zu lernen und alles für die Schule zu geben. Da sind unsere Chefs auch nicht sehr unterstützend, indem sie den Schülern tagtäglich zu verstehen geben, wie dumm, faul und unintelligent sie sind. Sie bräuchten meiner Meinung nach ganz viel Motivation und Nachhilfe, man muss ihnen zu verstehen geben, dass sie das mit Einsatz schaffen können. Nun habe ich aber gar keine Zeit, mit ihnen zu arbeiten und die neue Volontärin braucht natürlich erstmal Zeit, sich einzugewöhnen und es ist auch nicht einfach, Nachhilfe mit so vielen Schülern verschiedener Klassen zu organisieren. Ich finde sowieso, diesbezüglich müsste das Projekt einen Zeitplan, bzw. ein Programm für die Nachhilfe mit den Schülern vorgeben, damit die Volontäre direkt am Anfang des Schuljahres mit dieser Arbeit beginnen können.
Zu der Arbeit im Projekt ist jetzt auch noch die Arbeit für unsere neu gegründete Assoziation gekommen. Im Moment bin ich sozusagen die Sekretärin meiner Schüler. Wenn Anfragen, Projekte, Briefe etc. geschrieben werden müssen, bin ich zuständig. Zudem geht die Suche nach finanzieller oder materieller Unterstützung weiter. Das ist unglaublich anstrengend. Für die Schüler ist es schwierig, das neben der Schule zu machen. Sie dürfen nicht allzu oft im Unterricht fehlen, die Arbeit für die Assoziation sollte auch keine negativen Auswirkungen auf ihre schulischen Leistungen haben, wo es doch eine Assoziation für Bildung ist. Unser Koordinator musste ein paar Mal nach Lomé unter der Woche und ich musste ihn auch einmal aus dem Unterricht holen für einen wichtigen Besuch bei dem Chef der GIZ. Leider war unsere Suche noch nicht sehr erfolgreich. Wir bekommen ständig Versprechungen und positive Antworten, Geld haben wir aber leider noch keines gesehen. Neulich hat uns glücklicherweise eine Druckerei eine ganze Menge Blätter gespendet. Das ist super! Damit drucke ich jetzt die Hausordnung (? Ich habe die deutsche Übersetzung noch nicht rausgefunden. Auf Französisch heißt das „statuts“ und „règlement intérieur“) für unsere Organisation in Braille aus. Denn wir wollen noch vor meiner Abreise die Generalversammlung organisieren, da muss die „Hausordnung“ vorgelesen werden, zudem muss diese für jedes Mitglied zugänglich sein. Bei der Versammlung wird unser provisorisches nationales Exekutivbüro endlich offiziell gewählt werden.
Ich muss jetzt leider langsam Schluss machen, weil ich doch noch nicht so fit bin.
Ich bin auf jeden Fall weiterhin superglücklich in Togo. Linn ist die beste Gastfamilie, die es gibt und meine Schüler sind die liebsten und bewundernswertesten Menschen die ich kenne. Ich lerne unglaublich viel von meinen Mitmenschen hier und bereue diese 1 ½ Jahre keine einzige Minute! Deshalb sind Linn und ich allen unseren Unterstützern bei unserem Förderkreis, beim Crowdfunding (was sehr sehr erfolgreich war, wir haben es geschafft!) und generell bei der Begleitung unseres Freiwilligendienstes soo unvorstellbar dankbar!!! Ohne euch wäre das alles nicht möglich gewesen und wir hätten so viel verpasst.
Linn und ich sind übrigens fleißig am Weihnachten vorbereiten. Wir organisieren jeden Adventssonntag einen Adventsabend für alle Volontäre, die Lust haben. Wir singen dann Weihnachtslieder bei Kerzenschein und essen Kekse. Am 6. Dezember wollen wir Wichteln und für Weihnachten überlegen wir uns auch noch etwas besonderes . Linn hat mir sogar einen Adventskalender gebastelt :D Wir haben auch schon einen kleinen Weihnachtsbaum (bzw. Ast) und einen Mini-Adventskranz :P
Naja, das dazu ;) Ich wünsche euch eine ganz tolle Adventszeit!


Mir ist gerade noch eingefallen, dass ich euch noch von meinem Mädchenfußballprojekt erzählen muss. Ich habe jetzt mit Schulbeginn an meiner Schule hier ein Mädchenfußballteam gegründet. Mein Freund Djibril, der auch Mathelehrer an der Schule ist, hat sich als Trainer bereit erklärt und ist sehr engagiert. Wir haben das Training zu zweit begonnen und jetzt nach ca. einem Monat haben wir schon 15 Mädels die regelmäßig zum Training kommen. Die Mädels sind alle super motiviert, nur leider haben viele noch nie einen Ball gespielt (hier im Spulsport werden nur Leichtathletikdisziplinen durchgenommen), dadurch werden die wenigen Mädels, die schonmal in einer anderen Stadt Fußball gespielt haben demotiviert, aber es funktioniert trotzdem durch die Begeisterung und die schnelle Weiterentwicklung der Spielerinnen. Ich bin richtig froh, dass ich das doch noch auf die Riehe bekommen habe, damit habe ich jetzt so kurz vor Schluss gar nicht mehr gerechnet und der Frauenfußball liegt mir doch ziemlich am Herzen :P

Montag, 10. Oktober 2016

Salut !

Hier bin ich mal wieder.
Ich fange mit einem wichtigen Anliegen und einer Bitte an. Wie ich schon erwähnt habe, wollen Linn und ich mithilfe von Crowdfunding einen Großteil des Geldes für die Verlängerung zusammen kriegen. Wir haben unsere Seite endlich fertig gestellt und jetzt heißt es, ganz viel Werbung für unser Vorhaben zu machen, damit es ganz viele Menschen erreicht. Dafür sind wir auch auf eure Hilfe angewiesen. Unsere Seite könnt ihr euch unter folgendem Link angucken:

  
Dort kann man sich ein kleines Video von uns angucken und einen Text durchlesen. Wenn ihr uns unterstützen wollt, gebt den Link auf allen möglichen Wegen an alle eure Freunde und Bekannte weiter , teilt unseren Aufruf auf facebook und wenn ihr möchtet, könnt ihr uns natürlich auch gerne finanziell unterstützen (Kontodaten auf der Crowdfunding-Seite). Wir freuen uns über jede Hilfe, sei sie noch so klein ;)
Vielen vielen Dank schonmal!!! :D


Dienstag, 20. September 2016

SADEA – Ergebnis schwerwiegender Probleme im Projekt

29-07-2016

SADEA – Sinergie d´action pour le développement éducative des aveugles (« Aktive Bewegung » für die edukative Entwicklung von Blinden) ist eine junge Assoziation, konstituiert aus blinden Schülern der weiterführenden Schulen Kpalimés und Lomés in Togo, Afrika. Gegründet hat sich die Organisation am 07. Juni 2016. Die Idee ist schon lange in den Köpfen einiger Schüler, Auslöser ist schließlich das Zudrehen des Geldhahnes einer italienischen ONG.
Ok, jetzt fragt ihr euch, was will Philine euch denn damit sagen. Ich werde es euch erklären:
Die ersten Infos erhielt ich schon vor ca. einem Monat als ich dem Blindenzentrum in Lomé einen Besuch abstattete. Ich wollte den Sportkurs für die Schüler organisieren und mi wurde schon als Problem für kommendes Schuljahr erläutert, dass die Gymnasiasten nicht mehr im Blindenzentrum beherbergt werden können, da die Organisation, die bisher zahlte, kein Geld mehr gibt. OK, ich hatte die Woche darauf mit dem Direktor des Blindenverbandes von Togo gesprochen und auf meine Frage, wie man dieses Problem regeln würde, antwortete er unbesorgt, man werde Wohnungen für die Schüler suchen, wie das in Kpalimé auch der Fall ist. Grund sei, die Schüler zu mehr Selbstständigkeit zu bewegen. Das hörte sich doch schon viel positiver an, ich war beruhigt. Eine Woche später wurde mir dann von meinen Schülern in Kpalimé die Idee, eine Organisation für die Schüler von den Schülern zu gründen aufgezeigt, und ich wurde gefragt, ob ich Interesse hätte, teilzuhaben. Ich willigte sofort ein, etwas derartiges erhoffte ich mir schon seit langem, ich war allerdings noch skeptisch. Was bewegt die Schüler dazu, jetzt so eine Organisation aufzubauen? Wie soll diese aufgebaut sein? Finanzierung? Wie wird das alles ablaufen?
Einige Tage später wurde ich zu den Fast-Abiturienten gebeten. Sie stellten mir die konkrete Idee der Organisation vor. Nun wurde es klarer und mir wurde endlich der Grund für die plötzliche Gründung dieser Organisation erläutert. Und der Grund ist schon fast ein Zwang für die Schüler, das Steuer selbst in die Hand zu nehmen und etwas zu tun!
Ich komme zu den Details. Das Projekt S.E.I.D.S., in dem ich arbeite, wird seit 30 Jahren von einer italienischen  ONG finanziert. Ein italienischer Freiwilliger hat bis jetzt jedes Jahr auf´s Neue nach Fonds und Spendern gesucht. Jetzt ist er an einem Punkt angekommen, wo seine Kraft am Ende ist und er hat seine Arbeit aufgegeben. Verständlich, das ist eine unglaublich mühselige Arbeit. Aber auch unverständlich. Wie kann die Finanzierung eines so großen Projektes von der Spendersuche einer einzelnen Person abhängen? Das Projekt betreut die blinden Schüler weiterführender Schulen der vier größten Städte Togos (Lomé, Kpalimé, Sokodé, Kara) und kümmert sich um deren Schulgeld, Wohnung, Ernährung, Gesundheit und Schulmaterial. Hierbei muss ich einen neuen Punkt beisteuern, der ein weiterer großer Grund für die Gründung der Assoziation ist. Stichpunkt Korruption…
Während meiner Arbeit in meinem Projekt, stieß ich ständig auf Geldprobleme und damit verbundene Mängel. Die Wohnungen der Schüler sind mangelhaft, es regnet stellenweise rein, die Toilette ist undicht oder auch gar nicht mehr funktionsfähig, die Fenster nicht mehr schließbar, die Mauer auf der Terrasse bricht schon durch dagegen stoßen an einigen Stellen ein, … Ich bekomme tagtäglich die Mangelernährung meiner Schüler mit. Die Eltern schicken ihnen kleine Geldbeträge und auch Reis, Bohnen und Maismehl. Das sind letztendlich die Hauptnahrungsmittel. Fleisch, Obst und Gemüse sehen die Schüler selten und eine Mahlzeit wird oft nur einmal am Tag eingenommen. Wenn die Eltern Probleme haben oder es Schwierigkeiten beim Versenden des Geldes gibt (hier ist es nicht üblich Bankkonten zu besitzen), leiden die Jugendlichen.  Elektrizität müssen die Schüler selbst zahlen, und auch bei Schulmaterial gibt es ständig Engpässe. Blätter werden vom Projekt gegeben, allerdings nicht ausreichend. Die drei Chefs/Verantwortlichen in Kpalimé meinen oft, die Schüler sollen sparsamer mit den Blättern umgehen oder die Schüler seien faul und würden nichts für die Schule tun und die Blätter nur klauen… Hm, diese Aussage von drei Menschen, die sich z.B. in meiner Schule dreimal bis gar nicht während des ganzen Jahres blicken lassen haben. Es seien auch nicht ausreichend Blätter da. So wird auch argumentiert, wenn ich zusätzlich zu den Englisch- oder Deutschbüchern, Aufgaben, Texte oder Vokabellisten für die Schüler in Braille drucken will. Diktiere ich den Schülern genanntes Material, haben diese nicht ausreichend Blätter zum Schreiben und das nimmt unglaublich viel Zeit in Anspruch, die von der Zeit zum Lernen abgeht und was anstrengend für die Hände ist. Weiterhin müssen die Schüler Griffel und Punktschrifttafel (Schreibwerkzeug) selbst zahlen, was dazu führt, dass sie ihr Schreibmaterial seit der Grundschule nicht erneuern. Der Griffel eines Schülers ist jetzt fast komplett abgenutzt, er hat aber kein Geld ein neues zu kaufen. Das sind nur wenige der vielen Probleme, mit denen die Schüler tagtäglich konfrontiert werden. Nicht einfach, da sie auch schon früh das Elternhaus verlassen mussten, um eine Chance auf Schulbildung zu haben. Zurück zu den Verantwortlichen des Projekts. Betreiben sie Korruption? Gibt es wirklich zu wenig Geld? Laut meiner Schüler betreiben die drei Chefs schon seit langem Korruption und das Geld für Lebensmittel, Gesundheit und Schulmaterial bleibt in den Taschen der Verantwortlichen stecken.
Beweise? Schwierig. V.a. hier in Togo. Ich fragte meine Chefs unter anderen Vorwänden nach Berichten und genaueren Informationen des Projektes. Als Antwort bekam ich einen Bericht von vor zehn Jahren mit der Antwort, dass nicht immer alles dokumentiert wird. Merci! Ich muss aber ehrlich sagen, dass ich meinen Schülern mehr Glauben schenke. Sie kennen unsere Verantwortlichen besser als ich und sind seit Jahren unter deren „Obhut“. Sie berichteten mir einiges. Bspw. Sieht das Projekt Essensgeld für jeden Schüler vor und versichert auch Arztbesuche. Es wurden sogar einmal Computer gespendet mit dem Nutzen ein Internetcafé für Blinde zu errichten. Diese befinden sich jetzt in dem Kopierladen der Tochter unseres Chefs, die Aufkleber der italienischen Organisation sind noch gut sichtbar. Weiter möchte ich dieses Thema jetzt gar nicht ausführen, mir geht es in diesem Bericht um unsere neu gegründete Organisation SADEA.
Unsere erste Generalversammlung erfolgte am 07. Juni 2016. Der Großteil der Schüler aus Kpalimé versammelte sich, auch ich war eingeladen. In dieser Versammlung wurde endlich ein Plan, das Vorgehen der Organisation dargelegt. Ein provisorisches exekutives Büro bestand bereits.  Unser Koordinator, ein Abiturient, erläuterte uns alles. Er legte Wert darauf, allen Gründungsmitgliedern klar zu machen, dass das provisorische Büro nötig sei, um sofort mit den Maßnahmen zu beginnen. Im September wird das Büro dann bei der Generalversammlung demokratisch gewählt. Das Büro besteht aus zwei Koordinatoren, zwei Sekretären, zwei Schatzmeistern und einem Rat. Zusätzlich wurde ein Zuständiger für Kommunikation und weitere kleinere Rollen. Für das Startkapital muss jedes Mitglied einen Beitrag von 500 F (ca. 1€) zahlen. Dies ist für die Schüler viel, aber bezahlbar. Als Monatsbeitrag legen sich die Schüler auf 200 F (ca. 30 Cent) fest, mehr ist nicht drin. Wie wird jetzt vorgegangen, um an das heißbegehrte Metall zu kommen? Der benötigte Geldbetrag, um die Fortsetzung der Schullaufbahn von 30-40 Schülern zu ermöglichen, ist enorm.
Eli, unser Koordinator schärft den Schülern ein, jetzt müsse mit allen Mitteln nach Finanzierungen gesucht werden und die Assoziation benötige jeden einzelnen um das gemeinsame Ziel zu erreichen. Gleichzeitig ermutigt er sie auch, denn gemeinsam, mit dem Einsatz jedes Mitgliedes ist dies möglich.
Nun soll so vorgegangen werden, dass Anfragen zu finanzieller Unterstützung an alle möglichen Institutionen gestellt werden. Wir wollen im Inland beginnen und notfalls auch im Ausland anfragen. Weiteres Ziel ist, in ein paar Jahren selbstständig und unabhängig von Spendern und Partnern zu sein. Dazu wollen wir eine Boutique aufbauen, in der Kunsthandwerk der Schüler und Lebensmittel verkauft werden sollen. Außerdem soll mit Feldarbeit Geld eingenommen werden. Weitere Ideen werden sich in nächster Zeit bestimmt entwickeln. Ich habe auch den Verkauf eines  Kochbuchs mit togolesischen Rezepten begonnen. Ahmed besorgt mir dies aus Kara zu einem Freundschaftspreis und ein Anteil des Gewinns geht an die neue Organisation meiner Schüler.
So der Stand Ende Juli 2016.
11-09-2016

1,5 Monate später. Viel ist geschehen, wir haben wahnsinnig viel für die Assoziation gearbeitet. Wir, d.h. fünf der 30 (!) Schüler und ich. Hiermit spreche eines der ersten großen Probleme unserer Assoziation an. Noch bei unserer ersten Generalversammlung versprach jedes Mitglied vollen Einsatz für die Assoziation, zwei bis vier Wochen später verließen alle Schüler Kpalimé um zu ihren Familien zu fahren… Von den meisten hört man nichts mehr und v.a. kein Interesse für die Assoziation. Zwischendurch hatte ich einmal eine Nachricht an jeden Schüler geschickt, in der ich ziemlich aufgebracht erläuterte, wie wichtig die Mitarbeit jedes einzelnen Mitglieds sei. Bis vor ein/zwei Wochen befand sich nämlich noch kein einziger Franc in unserer Kasse und die einzigen, die für SADEA kämpften (hat sich bis jetzt nicht geändert) waren Eli, unser Koordonator, Edmond, Bonadi und Andrim, Gründungsmitglieder, und ich, mittlerweile zur Sekretärin mutiert. In Lomé zeigt sich nur ein Schüler, unser Zuständiger für Kommunikation engagiert.
Ich berichte jetzt mal von vorne. Anfangs schrieben wir Briefe an Kirchen, Krankenhäuser, Mobilfunkanbieter und andere Institutionen und Gesellschaften. Jeden Brief brachten wir persönlich zu den Verantwortlichen. Zu der Zeit war ich teilw. von 7 Uhr morgens bis 18 Uhr abends mit Andrim zu Fuß unterwegs, um Direktoren und Präsidenten zu treffen, die meistens „in einer Besprechung“ waren oder wir uns „um einige Minuten gedulden“ sollten,… Typische Antworten von wichtigen Personen. Leider waren diese ganzen Aktivitäten nicht sehr erfolgreich. Wir beschlossen unsere Vorgehensweise zu ändern, in Kpalimé schien unsere Suche keine Früchte zu tragen. Die Schüler beschlossen, die Arbeit in Lomé, der Hauptstadt Togos, fortzuführen. Sie handelten mit dem Blindenzentrum vor Ort aus, ein Zimmer für einen Monat für eine ganz kleine Gegenleistung zu bekommen. Schließlich machte ich mit Andrim, Edmond und Eli auf den Weg nach Lomé ins Blindenzentrum, wo Augustin, unser Zuständiger für Kommunikation, uns erwartete. Nun begann die Arbeit in Lomé. Um unsere dortige Arbeit zusammenzufassen: wir schrieben mengenweise Briefe und Anfragen, weiterhin an Kirchen, an die Botschaften, an Stars wie Emmanuel Adebayor (togolesischer Fußballstar), an die Ministerien, den Fußballverband, Firmen und alle anderen erdenklichen Institute. Ich blieb nicht die ganze Zeit in Lomé, da in Kpalimé auch Arbeit auf mich wartete. Ich sollte hier ein kleines Grundstück für unsere Boutique organisieren und ich machte weiterhin Anfragen, hauptsächlich an muslimische Persönlichkeiten. Freunde aus meiner Fußballmannschaft, die Kontakte zu den Imams haben, halfen mir. Da diese Gelder aus Saudi-Arabien bekommen, erhoffen wir uns daraus etwas.
Bei einem Malam (höhere Position als Imam) hatte ich bereits Erfolg, wenn auch nur einen kleinen. Dieser gab mir eine kleine Spende mit. Als am erfolgreichsten stellt sich unsere Arbeit in Lomé heraus. Wir waren bei verschiedenen Fernseh- und Radiosendern, um in deren Sendungen einen Aufruf zu starten. Zudem sollen solche Auftritte zur Sensibilisierung der Bevölkerung gelten. Dies ist dringend nötig. Meine Gastschwester (7 Jahre) bspw. hatte anfangs Angst, mich zu meinen Schülern zu begleiten, da sie dachte, sie würde auch erblinden. Ich klärte sie schließlich auf und mittlerweile liebt sie es, bei meinen Schülern zu sein. Ein Radiosender filmte meine Schüler beim Fußballspielen, sie demonstrierten Lesen, Schreiben und auch die Nutzung eines Computers.  Nach einer Sendung riefen bereits mehrere Togolesen an, um etwas zu spenden. Bis jetzt kam aber leider erst eine Spende an.
Neben dieser Arbeit müssen wir uns auch um die Anerkennung unserer Organisation vom Staat kümmern. Dazu haben wir bereits die statuts verfasst und wir sind dabei, die Hausordnung zu schreiben. Zudem bin ich dabei mithilfe eines Freundes eine Homepage einzurichten, wofür allerdings auch noch Finanzierungsmittel fehlen. Linn gestaltete für uns das Logo, welches jetzt nur noch digitalisiert werden muss. Anfragen an deutsche Assoziationen von mir scheiterten leider. Die Standard-Antwort lautete, sie wären nur eine kleine Organisation, die bereits Projekte besitzt und nicht über ausreichend Finanzierungsmittel verfügt, um weitere Projekte zu unterstützen.
Bei meinem letzten Besuch meiner Schüler in Lomé, verfassten wir weitere Projekte. Wir suchen jetzt offiziell nach finanzieller Unterstützung, um zusätzlich zu dem Schulbildungsprojekt ein Landwirtschaftsprojekt zu beginnen und die Boutique aufzubauen. Beide Projekte sollen in einiger Zeit das Schulprojekt finanzieren.
Die Arbeit in Lomé hat uns außerdem neue Mitglieder beschert. Wir bestehen jetzt nicht nur aus Schülern und mir, sondern fördern ebenfalls Studenten. Ein weiteres Ziel von SADEA. Die Förderung und Entwicklung der Bildung von Blinden in Togo, mit inbegriffen Schüler, Studenten, Auzubis,etc. Weiteres wichtiges Ziel ist die Sensibilisierung der Bevölkerung, meiner Meinung nach ein ganz wichtiger Punkt. Dazu sollen in geräumiger Zeit Sport- und Musikprojekte u.a. gefördert und gestartet werden.
So, ich muss es jetzt erstmal dabei belassen. Eine Fortführung meines Berichtes und Neuigkeiten unserer Arbeit sende ich euch das nächste Mal ;)